A40Zaubern mitten auf der Autobahn

Der Magische Zirkel Bochum/Witten
beim größten Kultur-Event der Welt

Da machen wir mit. Das war jedenfalls die einhellige Meinung aller Mitglieder, als das Projekt Still-Leben auf der A 40 bekannt wurde.

Mitten auf der Hauptverkehrsader des Ruhrgebiets, der Autobahn A 40, sollte für einen Tag lang aus 20.000 Tischen sozusagen die längste Bühne der Welt entstehen. Und am 18. Juli war es dann so weit:

Auf einer Streckenlänge von 60 km gab es ein rauschendes Fest der kulturellen Vielfalt. Alltagskultur so weit das Auge reichte - und wir waren mittendrin.
Doch immer schön der Reihe nach.

Da es aus organisatorischen Gründen sehr strenge Regeln gab, was Aufbau und Zugang der Strecke betraf und außerdem der Transport bis zum vorgegebenen Standort größtenteils zu Fuß erfolgen musste, begnügten wir uns mit Close-Up-Utensilien und einem kleinen Stativ-Tisch. Vorsichtshalber hatten wir noch eine akkubetriebene Mini-Drahtlos-Anlage dabei, welche letztendlich aber nicht zum Einsatz kam. Die obligatorische Kühltasche mit etwas Verpflegung durfte natürlich nicht fehlen.

Der 18. Juli war dann auch ein herrlicher, sonniger Tag. Sascha und ich parkten, sozusagen als Vorhut, frühmorgens unseren Wagen direkt an der Autobahn-Zufahrt, schulterten unsere Sachen und machten uns auf den Weg. Oh Mann, wenn man Laufen muss, sieht man erst, wie lang so eine Ausfahrt tatsächlich ist. Mit dem Auto ist man da immer in nullkommanix rum. Aber wir hatten Glück, denn gut ein Kilometer weiter befand sich bereits unser gekennzeichneter Tisch. Die Beschilderung und Nummerierung jedes einzelnen Tisches war ganz sicher eine logistische Meisterleistung des Veranstalters. Unseren Tisch hatten wir aufgrund einer erfolgreichen Bewerbung vom RWE, dem Stromriesen mit Hauptsitz im Ruhrgebiet, gesponsert bekommen. So fielen für uns keinerlei Kosten an, wir mussten uns um nichts kümmern und als Extra-Ausstattung gab es unter anderem sogar noch einen schönen Pavillon. An diesem Tag (Sonne, 27 Grad) ein unbezahlbares Extra.

Atemberaubend diese Atmosphäre, wenn man morgens mutterseelenallein auf einer leeren Autobahn steht. Vor allem dann, wenn es eine Autobahn ist, die sonst zu keiner Stunde leer ist. Eine Autobahn, die keine absolute Ruhe kennt.

So genossen wir diesen besonderen Morgen, brachten unser Zirkel-Banner an, positionierten den Stativ-Tisch und zauberten uns ganz langsam warm. Etwas später trudelten dann auch unsere Mitstreiter ein. Hans-Joachim, der gleich mit der kompletten Familie - inklusive Tochter und Schwiegersohn - erschien, sowie Eberhard und Christian, die ebenfalls ihre Frauen mitbrachten. Selbst Wolfgang ließ es sich nicht nehmen und kam mit seinem Gips-Arm, um uns wenigstens moralisch zu unterstützen. Und auch Erik, der momentan aus beruflichen Gründen zeitlich stark eingebunden ist, überraschte uns mit seinem Besuch. Loana vervollständigte schließlich die Gruppe und versorgte uns zudem noch mit ihren leckeren selbstgemachten Speisen.

So langsam füllte sich jetzt die Autobahn. Nach und nach wurden ringsherum die übrigen Tische besetzt und dann strömten auch schon die Besuchermassen auf uns ein. Wir hatten von Anfang an gut zu tun. Der Andrang war sehr groß und es bildeten sich zwischenzeitlich riesige Menschentrauben vor unserem Tisch.

Aufgrund von Wolfgangs Verletzung, Eberhards Filmaktivitäten und durch anderweitig verpflichtete Kollegen waren wir letztendlich zwar "nur" vier aktive Zauberkünstler vor Ort, aber die Straße gehörte an diesem Standort voll und ganz uns. Weit und breit schien jedenfalls nichts interessanter zu sein, als unsere Vorführungen. So wechselten wir uns nach Möglichkeit kontinuierlich ab und hatten nicht nur alle Hände voll zu tun, sondern an diesem Tag vermutlich auch das beste Publikum der Welt. Niemand machte auch nur irgendwelche Anstalten zu gehen - ganz im Gegenteil, die Menge war stets begierig darauf, noch mehr Zauberei von uns zu sehen.

Nach kurzen Verpflegungs-Pausen genügte es dann auch, mit zwei Schwammbällen gezielt einzelne Passanten zu stoppen. Die konnten meist gar nicht so schnell gucken, wie sie mitten in der Show waren, denn der so genannte "Kreis" bildete sich jedes Mal blitzartig. Da sag' noch mal einer, die Zauberei hätte irgend ein Immageproblem.

Aufgrund der beachtlichen Temperaturen auf der Asphaltbahn und auch weil alle nur aus Spaß an der Sache da waren, wurde lediglich in Jeans und T-Shirt gezaubert. Die Kartenkünstler hatten damit erwartungsgemäß die wenigsten Probleme. Was aber passiert, wenn eine Abschlussladung für den Chop-Cup nicht mehr motiviert aus der Sakkotasche kommt, sondern ziemlich plump aus der hinteren Hosentasche gezogen wird? Nach einigen Vorführungen war klar: Wenn vorne am Tisch die (Ab-) Lenkung stimmt, ist auch das kein ernsthaftes Problem. Selbstverständlich hatten wir uns aber bereits im Vorfeld auf die Gegebenheiten eingestellt und den einen oder anderen Trick auf die Veranstaltung abgestimmt. So gab es einen speziellen Sehtest, bei dem das A40-Autobahnschild eine große Rolle spielte (3-Card-Monte), oder wir zeigten das angebliche A40-Souvenir-Feuerzeug, dessen Logoaufdruck nach Belieben verschwinden und erscheinen konnte.

Erstaunlicherweise ließ sich das Laufpublikum selbst für längere Karten-Routinen begeistern. Bei Sascha verschwanden beispielsweise Unterschriften auf Blanko-Karten, flitzen kreuz und quer durch das Spiel, nur um am Ende auf einer ganz anderen Karte wieder zu erscheinen. Ganz sicher trugen aber auch die vielen visuellen Effekte maßgeblich zum Erfolg seiner Kartenzauberei bei. Ebenso bewies Hans-Joachim ein ums andere Mal, wie zeitlos Zauberkunst doch sein kann. Liebevoll präsentierte er - neben einigen anderen Klassikern - seine gute alte Kreidekelle. Und zwischendurch gab Christian mit seinen frisch eingeflogenen Spezialkarten immer wieder mal den einen oder anderen unglaublichen Effekt zum Besten.

So verging die Zeit wie im Flug, was angesichts dessen, dass wir auf der Überholspur standen, nicht weiter erstaunlich war. Hätten wir auf "Hut" zaubern dürfen, was jedoch aufgrund des Veranstaltungscharakters ausgeschlossen war, wir wären vermutlich reich geworden an diesem herrlichen Tag...

Unser Fazit nach etlichen Stunden Dauerzauberei auf dem heißen Asphalt:
Das war nicht nur erstklassige Werbung für die Zauberkunst, sondern auch ein einmaliges Erlebnis für alle. Akteure, Helfer und Besucher werden sich, da bin ich mir ganz sicher, noch lange daran erinnern.

Michael Müller
1. Vorsitzender - MZB