
"Wie kamst Du eigentlich dazu, ausgerechnet mich für ein Seminar zu buchen?"
Das war die erste Frage, die Wolfgang Moser mir im Auto stellte, als ich ihn bei schönstem Wetter am Samstagmittag vom Flughafen abholte. Die Frage war durchaus berechtigt, denn der österreichische Berufszauberkünstler ist, bis auf ganz wenige Ausnahmen, noch nie als Seminarleiter in Erscheinung getreten. Was also hatte mich vor knapp einem Jahr dazu veranlasst, gerade ihn für ein Seminar zu engagieren? Ihn, den ich noch nicht einmal hatte zaubern sehen. Na ja, außer natürlich auf so einem alten Video-Band. Und selbst das war verdammt lange her. Auch wenn er es aus heutiger Sicht selber als "Jugendsünde" bezeichnet, so habe ich dennoch recht positive Erinnerungen daran. Wie dem auch sei, dass ich für unsere Veranstaltung nicht die sogenannte "Katze im Sack" gekauft hatte, bestätigte sich gleich im Anschluss: "Ich zeige in meinem Seminar grundsätzlich nur Sachen, die ich selber regelmäßig vorführe."
Es lag nicht daran, dass er es sagte, sondern vielmehr wie er es sagte - in diesem Moment war ich mir absolut sicher, dass wir am Sonntag endlich mal wieder ein außergewöhnlich gutes Seminar erleben werden. So fuhren wir plaudernd die knapp sechzig Kilometer vom Flughafen Düsseldorf bis zum Hotel.
Trotz Bilderbuchwetter und "Ruhr.2010", das Kulturprogramm erschöpfte sich für unseren österreichischen Gast an diesem Wochenende leider nur im Genuss einer extrascharfen Curry-Wurst mit Pommes. Allerdings nicht irgendeine beliebige, sondern schon die von Ex-Sternekoch Raimund Ostendorp. Na ja, wenigstens etwas. Wenn auch nur im Magen. Zu Gunsten eines ausgeschlafenen Seminarleiters verzichteten wir ebenfalls auf eine abendliche Tour durch Bochums berühmtes "Bermuda3eck". Schade, da hat unser Gast wirklich was verpasst.
Stattdessen trafen wir uns aber mit einigen Mitgliedern des Bochumer Zirkels zu einer netten kleinen Runde im Hotel. Wir tauschten mit Wolfgang unsere Erfahrungen aus und philosophierten ein wenig über die Zauberkunst. Gemütlich war's und interessant. Und zwischendurch gab es hier und da schon einmal einen kleinen Vorgeschmack aufs Seminar. Kein Zweifel, der Mann hat technisch was drauf.
Am Seminartag erwartete die rund fünfzig Besucher zunächst eine kleine Händlermesse. Die Firmen "Card-Shark", "Chantrell's Magic Shop" und "Magic-Factory" warteten allesamt mit magischen Neuigkeiten auf und konnten sich, trotz der etwas geringen Besucherzahl, über mangelnden Zulauf nicht beklagen.
Das anschließende Seminar fand auf besonderen Wunsch von Wolfgang Moser in Close-Up Atmosphäre statt. Damit auch die hinteren Reihen stets im Bilde bleiben konnten, wurde aber alles noch zusätzlich auf eine (Lein-) Wand projiziert. Das Seminar begann mit der Produktion eines gefüllten Sektglases aus einem Briefumschlag. Hierbei stieß vor allem das verwendete Gimmick auf reges Interesse der Zuschauer. Anschließend folgte ein technisch relativ einfaches, aber optisch doch sehr effektvolles Kartenkunststück. Besonders interessant waren hier die weiterführenden Gedanken zur praktischen Verwendung von Pyropapier und dessen Wirkung auf (Laien-) Publikum.
An diesem Tag hatte Wolfgang Moser offensichtlich für jeden Teilnehmer etwas im Gepäck. Mir persönlich hat die Mischung der vorgeführten Kunststücke jedenfalls sehr gut gefallen. Auch vom Schwierigkeitsgrad war zwischen "einfach" und "technisch anspruchsvoll" so ziemlich alles dabei. Immer wieder aber waren es die vielen kleinen Tipps und Anregungen aus der Praxis, die dieses Seminar erst so richtig interessant machten. Sehr aufschlussreich waren beispielsweise die vielen Anregungen, wie man - nicht nur als professioneller Zauberkünstler - unaufdringlich und charmant (aber dennoch sehr gezielt) seine Kontaktdaten unter das Volk bringen kann. Richtige "Schmankerl" waren aus meiner Sicht "Mosers Miracle Monte", eine Kümmelblättchen-Routine mit verblüffendem Ende, sowie "Silver Sufer", eine höchst visuelle Wanderung von vier Münzen. Letzteren Effekt führt Wolfgang sogar in einer Variante vor, bei der alles in den Händen von mehreren Zuschauer passiert. Sehr eindrucksvoll!
Alles in allem war dies ein erfrischendes Seminar, bei dem es dem Seminarleiter in erster Linie um die Sache ging, und nicht so sehr ums eigene Geld. Oder wie es ein Teilnehmer hinterher so schön ausgedrückt hat: "Klasse, das war mal echt was Praktikables von einem Könner."
Dem ist fast nichts hinzuzufügen, außer vielleicht, dass das Seminar annähernd drei Stunden dauerte und dennoch stets interessant blieb. Auch hinterher stand Wolfgang Moser den Teilnehmern geduldig mit Rat und Tat zur Seite, bevor er schließlich irgendwann seine Heimreise antreten musste. Und nicht eine Frage blieb unbeantwortet. Ganz im Gegenteil, zwischendurch nahm er sich sogar noch die Zeit, ausführlich einen Basis-Münzgriff zu erklären...
All das spricht nicht nur für die Qualität des Seminars, sondern auch für die hohe Kompetenz des Seminarleiters. Danke Wolfgang!
Michael Müller
1. Vorsitzender - MZB